unsere Umfrage ist online!

Liebe Interessierte, liebe Unterstützende und Neugierige,

In den letzten Jahren brechen immer mehr einst fremduntergebrachte Menschen ihr Schweigen über die Gewalt, die ihnen in Fürsorge- und Erziehungsheimen angetan wurde. Viele von Ihnen berichten von Gewalt, nachdem sie bereits in der Herkunftsfamilie Gewalt erfahren hatten.
Heute gibt es keine legale Prügelstrafen mehr – doch bedeutet die Abwesenheit der Legalisierung von Körperstrafen als Erziehungsmittel, automatisch eine Betreuungsumgebung, die Menschen unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben nach Gewalterfahrungen zu führen?

Daneben gibt es noch immer viele Barrieren und ausbleibende Betreuungs- und Begleitungsangebote für wirklich alle komplex traumatisierten Menschen in unterschiedlichsten Lebensumgebungen und -situationen.
Als Arbeitsgruppe, die sich aus Menschen unterschiedlich konkreter Betroffenheit zusammensetzt, wissen wir, dass es noch viele andere Punkte in Betreuungskontexten, stationär wie ambulant, geben kann, die gewaltvoll und teilweise auch retraumatisierend wirken können. Für uns ist klar, dass viele Wohn- und Betreuungsumfelder als Familienersatz oder familienähnliche Kontexte dienen können und, gerade für Minderjährige, auch sollen.

So stellte sich in der Auseinandersetzung folglich die Frage:
„Wie könnte die bedarfsgerechte Betreuung von komplex traumatisierten Menschen in einem stationären Rahmen (und darüber hinaus) aussehen? – Was denken die konkret Betroffenen? – Was denken die über ihre Arbeit von dieser Thematik mitbetroffenen Menschen?“

Mit der Onlineumfrage „Traumatisierte Menschen begleiten – besondere Standards nötig?“, versuchen wir, die Erfahrungen und Wünsche aller Menschen, die von dem Thema berührt sind, zu erfassen und in die Arbeit an einem Betreuungsstandard für komplex traumatisierte Menschen einfließen zu lassen, der als Grundlage für das Konzept des inklusiven Wohnprojekts „das Nachwachshaus“ dienen soll.

Gefragt werden hier nicht nur jene, die derzeit betreut werden und jene, die derzeit als Betreuende im Leben von anderen Menschen auftreten, sondern alle Menschen, die

  • irgendwann einmal in ihrem Leben betreut wurden und/oder in einer Einrichtung (Institution, (Kinder-)Heim) fremduntergebracht waren
  • jemanden kennen, di_er einmal betreut wurde und/oder fremduntergebracht war und die Erfahrungen mitgeteilt hat
  • darüber mitbestimmen, ob und wenn, wo Menschen betreut oder fremduntergebracht werden
  • mit komplex traumatisierten Menschen arbeiten, die ambulant betreut werden oder darüber nachdenken, ob das eine Hilfe für sie sein könnte
  • mit komplex traumatisierten Menschen arbeiten, die fremduntergebracht sind oder darüber nachdenken, ob das eine Hilfe für sie sein könnte
  • jemanden aus der Herkunfts- oder Wahlfamilie haben oder hatten, di_er betreut wird und/oder fremduntergebracht ist

aber auch Menschen, die sich aus anderen Gründen schon einmal Gedanken darüber gemacht haben, wie für sie das ideale Betreuungsangebot für komplex traumatisierte Menschen aussehen könnte.


Über diesen Link gelangen Sie zur Umfrage:
http://de.surveymonkey.com/r/Nachwachshaus

Mit der Onlineumfrage wird nicht versucht, wissenschaftlich solide Erkenntnisse zu sammeln. Wir möchten allen konkret bis weniger konkret Betroffenen dieser Thematik zuhören, um einen Betreuungsstandard zu entwickeln, der die Grundlage für ein Konzept eines inklusiven Wohnprojektes bietet.
Unser Ziel ist es, in der Zukunft ein „Nachwachshaus“ zu erschaffen, welches es komplex traumatisierten Menschen ermöglicht, nach einem gewaltvollen Leben, die Entwicklungsschritte zu machen, die ein selbstbestimmtes und freies Leben für sie zur Folge haben können.

Ein paar Hinweise zu den Barrieren der Umfrage:

Die Umfrage ist nicht barrierefrei für Menschen, die die Leichte Sprache oder die Einfache Sprache benötigen

Wir nehmen als Arbeitsgruppe jedes ehrenamtliche Übersetzungsangebot an. Damit Menschen, die die Leichte Sprache oder die Einfache Sprache benötigen, an der Umfrage teilnehmen können, bieten wir die Möglichkeit an, Interviews zu führen.

Die Umfrage enthält für konkret betroffene Menschen die Möglichkeit, ein bis zwei Fragekataloge zu überspringen und einen „zweiten Anlauf“ zu machen

Auch diesen Menschen können wir, im Fall von Überforderung oder Konzentrationsproblemen, anbieten, im Rahmen eines Interviews befragt zu werden, wenn das helfen kann.
Das Design der Umfrage ist visuell so kontrastreich wie möglich gewählt worden, um möglichst wenig Sehbehinderungen zu verursachen. Trotzdem kann es sein, dass es zu Schwierigkeiten für blinde oder sehbeeinträchtige Menschen kommt.
Auch ihnen bieten wir alternativ an, im Rahmen eines Interviews befragt zu werden.

Schreiben Sie uns dafür eine Email an: das.Nachwachshaus@googlemail.com


Die Auswertung der Umfrage

Die Umfrage ist voraussichtlich geöffnet bis Ende Oktober 2016.

Die Auswertung der gesammelten Daten erfolgt durch die Arbeitsgruppe „das Nachwachshaus“ auf ehrenamtlicher Basis. Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung und Mitwirkung bei der Auswertung.
Die Daten selbst werden anonym erhoben und verbleiben, nach Ende der Umfrage, in der Arbeitsgruppe allein.

Die Ergebnisse fließen ausschließlich in die Arbeit der Arbeitsgruppe „das Nachwachshaus“ und alle eventuell aus ihr hervorgehenden Projekte.

Die Arbeitsgruppe ist offen für weitere Mitmacher_innen.

Ergebnisse der Umfrage

Die Ergebnisse der Umfrage werden im zweiten großen Austausch- und Vernetzungstreffen der Arbeitsgruppe präsentiert. Dieses ist für den Sommer 2017 in Bielefeld geplant.
Ein genauer Termin wird Anfang 2017 über den Netzwerkverteiler der Arbeitsgruppe bekannt gegeben. Bitte schreiben Sie uns eine Nachricht, wenn Sie in diesen Verteiler aufgenommen werden wollen.

Verbreitung der Umfrage

Bitte teilen Sie den Umfragelink und diese Email mit allen Menschen, die sie kennen. Sprechen Sie darüber, dass es diese Umfrage gibt. Teilen Sie die PDF mit diesem Text.

Mehr ist mehr – und mehr ist gut für dieses Thema, denn noch immer wird zu wenig darüber gesprochen, dass auch die Wohn- und Betreuungsumgebungen für komplex traumatisierte Menschen häufig nicht bedarfsgerecht und damit auch oft nicht so hilfreich sind, wie man es wünscht.

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Mithilfe und Ihre Teilnahme an der Umfrage.
Hannah C. Rosenblatt, für die Arbeitsgruppe „das Nachwachshaus“

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4 Kommentare zu „unsere Umfrage ist online!

  1. Hallo,

    wir haben soeben an der Umfrage teilgenommen. Allerdings war für uns irgendwie nicht so ganz ersichtlich, worauf sich „Betreuung“ nun genau bezieht. Es klang sehr nach „stationären Einrichtungen“.
    Wir leben eben im ambulant betreuten Wohnen, alleine und sind Selbstzahler. K.A., ob wir damit nun durch das Raster gefallen sind.

    Alles Gute, spiegelscherbenkind

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